Ein solidarisches Moabit - aber wie?

Ein solidarisches Moabit - aber wie?

Das Stadtteilplenum Moabit diskutiert über eine (neue) Interessensvertretung

Am 26. Mai 2026 fand im Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) der Folgetermin zum Stadtteilplenum vom 21. April statt. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit interessierten Anwohner*innen über die Zukunft der Gremienarbeit und Beteiligungsstrukturen in Moabit nachzudenken. In drei Workshops sollte dieses Mal der Raum für Austausch, Diskussion und die Entwicklung erster Ideen für die Zeit nach dem Auslaufen der Quartiersmanagements Moabit-Ost und Beusselstraße sowie der Stadtteilvertretung Turmstraße geboten werden.

Zu Beginn begrüßte Moderatorin Esther Klobe-Weihmann die Teilnehmenden und gab eine Einführung in den Abend. Sie erinnerte an die Diskussionen des letzten Stadtteilplenums und betonte die Bedeutung einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit zukünftigen Beteiligungsstrukturen im Stadtteil.

Anschließend gab es einen Input zur Geschichte und Bedeutung des Stadtteilplenums, da das Stadtteilplenum selbst bereits eine wichtige Beteiligungsstruktur im Stadtteil darstellt. Seit mehr als 25 Jahren dient es als niedrigschwelliges Instrument für Austausch, Diskussion und Beteiligung. Über die Jahre wurden dort zahlreiche Themen behandelt, von Stadtentwicklungsprojekten wie der Europacity bis hin zu Fragen des Klimaschutzes und des Zusammenlebens im Kiez. Darüber hinaus wurden die organisatorischen Abläufe hinter dem Stadtteilplenum vorgestellt, die von der Planung und Gestaltung von Einladungen und Plakaten bis hin zur Durchführung der Veranstaltungen reichen. Es ermöglicht einen direkten Austausch zwischen Nachbarschaft, Politik und Verwaltung, macht Bedarfe und Anliegen aus dem Stadtteil sichtbar, stärkt das bürgerschaftliche Engagement und fördert die Vernetzung zwischen lokalen Akteur*innen und der Nachbarschaft. Vor dem Hintergrund der anstehenden strukturellen Veränderungen, insbesondere der Beendigung der QM-Gebiete, stellte sich dabei die zentrale Frage, wie das Stadtteilplenum und weitere Beteiligungsformate in Moabit künftig gestaltet werden können.

Im Anschluss wurden die Teilnehmenden in verschiedene Workshops eingeladen. Die Workshops beschäftigten sich mit unterschiedlichen Aspekten zukünftiger Gremienarbeit. Der erste Workshop widmete sich der Frage, welche Ressourcen ein Gremium benötigt. Der zweite Workshop, wofür es überhaupt ein Gremium braucht. Außerdem wurde im dritten Workshop diskutiert, wie ein zukünftiges Gremium gestaltet werden könnte. So entstand ein aktiver Austausch in insgesamt drei Workshop-Runden.

 

Workshop 1: Was braucht ein Gremium?

Im Mittelpunkt stand hier zunächst die Frage, welche organisatorischen Strukturen eine zukünftige Interessensvertretung benötigt. Genannt wurden klare Zuständigkeiten, verlässliche Ansprechpersonen sowie eine tragfähige Organisationsform. Dabei wurde sowohl über mögliche Vereinsstrukturen als auch über offenere Formen der Zusammenarbeit gesprochen. Offen blieb insbesondere die Frage, ob an das bestehende Stadtteilplenum angeknüpft oder eine neue Struktur aufgebaut werden soll. Ein weiterer Schwerpunkt war die Beteiligung möglichst unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung niedrigschwelliger und barrierearmer Zugänge, damit sich Menschen mit verschiedenen Lebensrealitäten und Erfahrungen einbringen können. Dazu gehören unter anderem passende Veranstaltungszeiten, offene Beteiligungsformate und die gezielte Ansprache neuer Akteur*innen. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit hervorgehoben. Eine zukünftige Interessensvertretung sollte eng mit Politik, Verwaltung, lokalen Einrichtungen, Gewerbetreibenden und bestehenden Initiativen zusammenarbeiten. Gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, Themen und Anliegen aus dem Stadtteil stärker sichtbar zu machen und hierfür auch neue Kommunikationswege, etwa über soziale Medien oder lokale Medienplattformen, zu nutzen. Als wichtige Grundlage für die Arbeit einer Interessensvertretung wurden außerdem die Kenntnisse und Erfahrungen der Menschen vor Ort benannt. Schulen, Nachbarschaftseinrichtungen sowie soziale und kulturelle Einrichtungen wurden als wichtige Orte genannt, um Bedarfe und Themen aus dem Stadtteil aufzunehmen. Neben inhaltlichen Fragen wurden auch praktische Voraussetzungen diskutiert. Dazu zählen geeignete Räume für Treffen, digitale Werkzeuge für die Zusammenarbeit sowie finanzielle und personelle Ressourcen. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass die Organisation des Stadtteilplenums bislang von wenigen Akteur*innen getragen wird und künftig weitere Engagierte eingebunden werden sollten.

Zum Abschluss wurde über die nächsten Schritte gesprochen. Dabei stand erneut die Frage im Raum, ob eine zukünftige Interessensvertretung an das Stadtteilplenum anknüpfen oder eine neue Struktur entwickeln soll. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass diese Entscheidung gemeinsam und in einem offenen Prozess getroffen werden muss. Die Ergebnisse des Workshops sollen in die weiteren Diskussionen beim nächsten Stadtteilplenum am 23. Juni 2026 einfließen.

 

Workshop 2: Wofür braucht es ein Gremium?

Hier diskutierten die Teilnehmenden vor allem die Frage, welche Rolle ein zukünftiges Gremium gegenüber Politik und Verwaltung einnehmen sollte. Im Mittelpunkt stand der Wunsch nach verbindlichen Beteiligungsmöglichkeiten, damit Anliegen aus der Nachbarschaft nicht nur gehört, sondern auch wirksam in politische und administrative Prozesse eingebracht werden können. Mehrfach wurde betont, dass eine zukünftige Interessenvertretung über feste Kommunikationswege mit Politik und Verwaltung verfügen sollte. Dazu gehören transparente Ansprechstrukturen, die Möglichkeit, Informationen zu aktuellen Entwicklungen und Planungen einzuholen, sowie verbindliche Verfahren für den Austausch zwischen Verwaltung und Bürgerschaft. Darüber hinaus wurde angeregt, bestehende Mitwirkungsrechte weiterzuentwickeln und dem Gremium beispielsweise Redemöglichkeiten in politischen Ausschüssen einzuräumen, um Themen und Anliegen aus dem Stadtteil direkt einbringen zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage nach der Wirksamkeit von Bürger*innenbeteiligung. Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch, dass Hinweise, Bedarfe und Vorschläge aus der Nachbarschaft künftig nachvollziehbarer bearbeitet werden. Dafür seien transparente Prozesse, klare Vereinbarungen zwischen Gremium, Politik und Verwaltung sowie eine regelmäßige Rückmeldung über den Stand von Anliegen notwendig. Auch eine unabhängige Moderation wurde als mögliche Unterstützung für die Zusammenarbeit genannt. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit hervorgehoben. Eine Interessenvertretung solle Missstände, Entwicklungen und Bedarfe im Stadtteil sichtbar machen und die Öffentlichkeit stärker über politische Prozesse informieren. Öffentlichkeitsarbeit z.B. durch das Moabiter Kiezmedium MoaZin wurde dabei als wichtiger Bestandteil einer wirksamen Interessenvertretung verstanden.

Ein weiteres Thema war die Förderung nachbarschaftlichen Engagements. Die Teilnehmenden sprachen sich für den Erhalt niedrigschwelliger Fördermöglichkeiten aus, damit auch künftig kleinere Projekte und gemeinwohlorientierte Aktionen im Kiez unterstützt werden können. Mit Blick auf das Auslaufen verschiedener Förderkulissen wurde diskutiert, wie entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten langfristig gesichert werden können.

Abschließend wurde betont, dass das Wissen über die Bedürfnisse und Herausforderungen im Stadtteil vor allem bei den Bewohner*innen selbst liegt. Eine zukünftige Interessenvertretung sollte daher auf den Erfahrungen und Kenntnissen der Nachbarschaft aufbauen und möglichst viele Menschen an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen beteiligen.

 

Workshop 3: Wie gestaltet sich ein Gremium?

Im dritten Workshop beschäftigten sich die Teilnehmenden unter anderem mit der Frage, wie Beteiligungsstrukturen in Moabit langfristig lebendig und wirksam gestaltet werden können. Ausgangspunkt der Diskussion war die Beobachtung, dass bei vielen Beteiligungsformaten bereits zahlreiche Vertreter*innen von Organisationen aktiv sind, die Perspektiven von Bewohner*innen jedoch noch stärker eingebunden werden sollten. Ein zentrales Thema war die Förderung von Begegnung und Austausch im Stadtteil. Die Teilnehmenden betonten, dass zukünftige Formate Raum für neue Kontakte, unterschiedliche Perspektiven und gemeinsame Diskussionen schaffen sollten. Dabei wurde insbesondere die Frage aufgeworfen, wie auch bisher wenig erreichte Gruppen, beispielsweise Menschen mit unterschiedlichen Sprachhintergründen, stärker beteiligt werden können. Öffentliche Einladungen, transparente Kommunikation und niedrigschwellige Formate wurden hierfür als wichtige Voraussetzungen genannt.

Darüber hinaus diskutierte die Gruppe mögliche Organisationsformen einer zukünftigen Interessenvertretung. Während klassische Vereinsstrukturen aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands teilweise kritisch gesehen wurden, wurden auch alternative Modelle in Erwägung gezogen. Genannt wurden beispielsweise ein koordinierender Knotenpunkt für Beteiligung, thematische Arbeitsgruppen zu einzelnen Stadtteilthemen sowie feste Ansprechpersonen, die unterschiedliche Aktivitäten miteinander verbinden. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Anliegen aus dem Stadtteil gesammelt, dokumentiert und weiterverfolgt werden können. Angeregt wurden unter anderem digitale Meldemöglichkeiten, eine breitere Beteiligung an der Organisation des Stadtteilplenums sowie eine bessere Übersicht über bestehende Beteiligungsstrukturen und Anlaufstellen im Kiez. Ebenso wurde die Bedeutung von Protokollen, Übersetzungen und digitalen Kommunikationskanälen hervorgehoben, um Wissen langfristig zu sichern und zugänglich zu machen. 

Abschließend diskutierten die Teilnehmenden die Frage nach Legitimation und Verbindlichkeit einer zukünftigen Interessenvertretung. Dabei wurde deutlich, dass eine breite Beteiligung der Nachbarschaft als wichtige Grundlage für Akzeptanz und Wirksamkeit gesehen wird. Gleichzeitig wurden verschiedene Rollen innerhalb einer möglichen Struktur skizziert, etwa Sprecher*innen, koordinierende Personen oder ein Kernkreis, der den Austausch zwischen unterschiedlichen Arbeitsgruppen organisiert.

Nach den drei Workshops wurden die zentralen Ergebnisse und Ideen aus den einzelnen Gruppen im Plenum zusammengetragen und gemeinsam reflektiert. Dabei zeigte sich ein großes Interesse daran, die zukünftigen Beteiligungsstrukturen in Moabit aktiv mitzugestalten. Im Anschluss nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, sich in kleineren Gesprächsrunden weiter auszutauschen und zu vernetzen. Die Diskussionen des Abends bilden eine wichtige Grundlage für die weiteren Gespräche zur Zukunft der Gremienarbeit und des Stadtteilplenums in Moabit. Das nächste Stadtteilplenum findet am 23. Juni 2026 in der neuen Kulturmanege am Ottoplatz statt. Dann soll weiter an der Idee einer neuen Interessensvertretung für Moabit gearbeitet werden. Alle sind herzlich willkommen!

 

Text: QM Moabit-Ost
Fotos: QM Beusselstraße

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