Ausstellung im Rahmen des MOWE Festivals am 9.–10. Mai 2026
Im Rahmen des MOWE Festivals am 9.–10. Mai 2026 zeigten drei Künstler:innen ihre Arbeiten im Quartiersbüro und interpretierten das Festivalthema „Ikonen des Alltags“ auf ihre ganz unterschiedliche Weise. Agnes Lörincz, Alexander Steffen und Lorant Szathmáry vertraten drei künstlerische Positionen, die auf den zweiten Blick eine gemeinsame Verbindung erkennen ließen.
Die Künstler:innen beschreiben ihre Werke selbst:

Soft Symbols
Agnes Lörincz
Der Titel der Serie bezieht sich auf eine Reihe kleinformatiger Bilder, bei denen Agnes einzelne vorgefundene Stoffreste als Hauptmotiv verwendet.
„Für mich hat das Thema Ikonen mit Zeichen und Symbolik zu tun. Meine Arbeiten sind sehr minimalistisch, haben aber innere Strukturen, die man unterschiedlich interpretieren kann.
Ich arbeite mit vorgefundenen Stoffresten, die ich so verwende, wie ich sie finde. Für mich sind das Malereien – die Stoffe ersetzen die Farbe. Diese Stoffreste sind auch vorgefunden, zum Teil in Indien. Ich nehme diese Stoffreste, wie sie sind, und versuche sie wieder kostbar zu machen. Die waren Müll, und werden ein Teil von einem ganz Neuen.
Was inspiriert dich in der Stadt?
Berlin hat mich immer besonders gereizt, weil ich hier die Vielfalt so toll empfunden habe. Und auch architektonisch, die ganzen unterschiedlichen Gebäude oder verlassene Gegenden, ähnlich wie bei Alex. Das inspiriert mich sehr. Und die Menschen natürlich auch.”

Fotografien aus Indien
Lorant Szathmáry
Lorant Szathmáry zeigte Fotografien zu Ikonen des Alltags in Indien. Religion spielt dort eine zentrale Rolle im täglichen Leben. Ein prägendes Element des Stadtbildes sind Kühe, die als heilige Wesen verehrt werden.
Alles, was mit Indien zu tun hat, ist sowieso reizend, man taucht in eine völlig andere Welt ein. Das ist das Schöne daran. Ich arbeite in Schwarz-Weiß. Dabei verbindet man Indien doch eigentlich mit kräftigen Farben, intensiven Kontrasten und einer unglaublichen Lautstärke. Gerade deshalb finde ich es spannend, diese Welt ohne Farbe zu zeigen.
Im Straßenbild sind Kühe kaum wegzudenken. Sie bewegen sich frei durch die Straßen und dürfen alles, aber nur die. Trotzdem haben sie alle auch einen Besitzer, sie sind nicht herrenlos. Die Menschen kümmern sich um sie und bringen ihnen Futter als Opfergabe.
Menschen zu fotografieren ist in Indien ganz unkompliziert, ganz anders als in Deutschland. Einmal stand vor einem Tempel eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig fotografierte. Ich machte ebenfalls ein Bild von ihnen. Die haben sich nicht aufgeregt. Sie freuten sich darüber und baten mich sogar, zu ihnen zu kommen, damit auch ich mit auf dem Foto bin. Es ist sehr zwischenmenschlich.

Vanishing Berlin
Alexander Steffen
Mit seinem Langzeitprojekt lenkte der Stadtfotograf den Blick auf die flüchtigen Sehenswürdigkeiten der Berliner Bezirke Moabit und Wedding.
„Ich fotografiere seit fast 20 Jahren in ganz Berlin. Ich hatte meine erste eigene Wohnung in Alt-Moabit, später habe ich in Wedding gewohnt. Für meine Art der Fotografie sind beide Bezirke sehr ergiebig.
Mich interessieren die schmutzigen, flüchtigen Sehenswürdigkeiten – Orte, die nicht im Reiseführer stehen. Im Vorfeld der Ausstellung bin ich viel durch die Kieze gelaufen und war überrascht, wie viel ich noch entdecken konnte. Besonders spannend finde ich, wenn durch Bautätigkeiten alte Fassaden, Reklamen oder Schriftzüge wieder zum Vorschein kommen, die 30, 40 oder 50 Jahre hinter einem Ladenschild oder einer Wand verborgen waren. Oft sind sie nur für wenige Wochen sichtbar. Solche temporären Zeitzeichen sind für mich wie ein Sechser im Lotto, und dann muss ich schnell sein.
Viele fragen mich, ob einem irgendwann die Motive ausgehen. Aber Berlin verändert sich ständig. Die Dynamik hat in den letzten 15 Jahren massiv zugenommen.
Meine Bilder haben natürlich etwas Sentimentales. Sie zeigen die Überbleibsel der Stadt meiner Kindheit. Gleichzeitig geht es um die Frage: Wem gehört die Stadt, und wie entwickelt sie sich weiter? Ich möchte nichts konservieren – eine Stadt muss sich weiterentwickeln. Aber die Frage ist, für wen gebaut wird und welche Qualität und Ästhetik dabei entstehen. Berlin war einmal Vorbild für Architekt aus aller Welt. Es wäre schön, daran wieder anzuknüpfen.“
Zu den Künstler:innen
Agnes Lörincz ist Malerin, geboren in Székelykeresztúr, Siebenbürgen / Rumänien, studierte an der Kunsthochschule in Klausenburg und lebt seit 1985 in der Bundesrepublik Deutschland, seit 2008 in Berlin.
Auf der Suche nach der Seele Berlins dokumentiert der Fotograf Alexander Steffen seit mehr als 15 Jahren die Veränderungen im städtischen Raum. In Berlin, wie in vielen Städten, werden die Folgen der Gentrifizierung immer sichtbarer: Kleine familiengeführte Läden verschwinden aus dem Stadtbild, die Sub- und Kiezkultur verliert ihre Freiräume, auf Brachflächen entstehen renditegetriebene Großbauprojekte. Auch wenn die Bilder um die Vergangenheit kreisen, ist Vanishing Berlin kein historischer Exkurs, es ist vielmehr eine Auseinandersetzung mit der Dynamik und dem Tempo der Gegenwart. 1967 in Berlin geboren, Politik Studium, Verlag Dirk Nishen, Galerie transition, Berlinale. Seit 2012 regelmäßige Ausstellungen und Veröffentlichungen.
Lorant Syzathmary ist Fotograf, geboren in Sächsisch-Regen / Siebenbürgen, Rumänien, studierte Philosophie, Kunstgeschichte und Geographie an der Uni Stuttgart und lebt seit 1980 in Deutschland. Er lebt und arbeitet in Berlin.