Am bundesweiten Tag der Städtebauförderung am 10. Mai 2025 gaben Bauherr Matthias Einhoff vom KUNSTrePUBLIK e.V. und der Architekt Peter Grundmann einen Ein- und Überblick über die Entwicklung des Baugeschehens am Zentrum für Kunst und Urbanistik ZK/U. 2020 wurde die Baugenehmigung erteilt, finanziert wurde der Umbau durch das Land Berlin im Rahmen der Zukunftsinitiative Stadtteil, Programm Sozialer Zusammenhalt. Weitere Mittel kamen aus der EU-Förderung und dem Bund. Auf dem Gelände selbst und im Gebäude sind noch letzte Spuren des im September 2024 abgeschlossenen Bauvorhabens zu sehen, der Veranstaltungsbetrieb ist schon in Startposition.
An diesem temperaturmäßig noch etwas verhaltenen Samstag startet die Führung zunächst auf der Dachterrasse mit spektakulärem Ausblick auf den Westhafen und anliegende Gebäude. Für die Öffentlichkeit soll diese künftig am Wochenende zugänglich sein, unter der Woche nach Vereinbarung oder im Rahmen einer Veranstaltung.
Das Anziehende an Moabit ist unter anderem, dass dort auf relativ überschaubarer Fläche so viel geschieht. Es überlagern und inspirieren sich gegenseitig viele Kulturen, Kunst- und Arbeitsräume, Altes und Neues neben- und übereinander, ein Spannungsfeld der Stadtgeschichte in vielerlei Hinsicht. Das Zentrum für Kunst und Urbanistik ZK/U in der Siemensstraße 27 ist gewissermaßen auch so ein Mikrokosmos für sich.
Wie die Macher es auf Ihrer Webseite selbst bezeichnen, bietet das ZK/U auf über 2.000 qm in einem ausgebauten Güterbahnhof Flächen für größere Veranstaltungen und Kursräume für kleine Veranstaltungen, Projekte und Vorhaben aus der Nachbarschaft und darüber hinaus. Das Haus dient als Knotenpunkt für den Austausch zwischen „globalen Diskursen und lokaler Praxis“. Außerdem befinden sich hier die Wohn- und Arbeitsräume der Residency. Das bedeutet, dass bis zu 13 nationale und internationale Künstler und Stadtforscher gleichzeitig hier leben und arbeiten und Projekte entwickeln, die regelmäßig öffentlich präsentiert werden. ttps://www.zku-berlin.org/de/der-ort/
Wie Architekt Peter Grundmann erläutert, bestand die Herausforderung des Umbaus u.a. darin, diese Programmpunkte miteinander zu verbinden und Transparenz zu schaffen. Einerseits einen Einblick in die verschiedenen Aktivitäten im Haus zu geben und parallel diese Aktivitäten ungestört nebeneinander arbeiten zu lassen. Die Räume sind miteinander verbunden und dennoch autark nutzbar.
Es galt zudem, das Zusammenspiel aus altem Gebäude und neuer Architektur, alten und neuen Baumaterialien und Nutzungen zusammenzubringen, zu erhalten und zu entwickeln gleichermaßen. Hierzu wurde z.B. das alte Holzdach abgetragen und die Decke um 50 cm angehoben. Auch soll ermöglicht werden, dass die Dachterrasse für Tanzveranstaltungen u.ä. genutzt werden kann, ohne dass die Erschütterungen sich durch das Gebäude ziehen und dieses instabil machen könnten. Immerhin haben dort oben rund 600 Personen Platz. Das Gebäude ist jetzt zudem energetisch optimiert, die Heizkörper ziehen sich im Innenraum entlang der Decke, im Keller leistet eine leistungstarke Lüftung ganze Arbeit. Im Innenraum des von Glas umschlossenen Teils, in dem sich vielfältige Nutzungen anbieten, werden dienen z.B. alte Schultafeln zugleich als Wandtrenner und Notizwand.
Während unserer Führung finden die Proben für die am Abend stattfindende Veranstaltung des “Kollektiv Untergang” statt, eine Kooperation junger Kunstschaffender mit dem Jugendchor der Deutschen Oper. Die Karten sind ausverkauft, es soll ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt gesetzt werden. Nur ein von vielen folgenden Veranstaltungen in den Räumlichkeiten. So soll das “Speisekino Moabit” fortgeführt werden. Die Räume sind auch für nachbarschaftliche Aktivitäten buchbar, so auch die Kellerräume, die dezibeltechnisch für nachbarschaftliche Akzeptanz sorgen sollten. Die Toiletten befinden sich im alten Bunker des Gebäudes mit 2 m Deckenhöhe und 1,50 m Wandstärke, auch das sollte dem Härtetest standhalten.
Bei verhaltenem Sonnenschein werden zum Abschluss noch weitere Fragen beantwortet, eine davon hat natürlich die Finanzierung des Projekts zum Inhalt. Die Umbaumaßnahmen sind glücklicherweise von aktuellen Kürzungen nicht betroffen, auch speist sich das Budget aus diversen Töpfen, die über Berliner Stadtgrenzen hinaus fungieren, z.B. EU-Förderkmittel. Weiterer Bedarf soll durch die Vermietung gedeckelt werden. Anfragen dazu kann man über spaces@zku-berlin.org stellen. Aber dennoch ist die Finanzierung die Stellen der engagierten Mitarbeiter des Trägervereins jedes Jahr aufs Neue ein ungewisses Thema. Die Führung endet mit einem allgemeinen Gefühl, dass hier ein spannender Ort geschaffen wurde, der viel Potenzial bietet. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.
Text & Fotos: Kerstin Heinze