Am 21. April 2026 fand zum zweiten Mal in diesem Jahr das Stadtteilplenum statt. Veranstaltungsort war diesmal der Theatersaal des Zilleklubs. Im Mittelpunkt des Abends stand die zukünftige Gremienarbeit in Moabit vor dem Hintergrund des Auslaufens der Quartiersmanagements Moabit Ost und Beusselstraße Ende 2027 sowie der „Aufhebung des Sanierungsgebiets Turmstraße […] Anfang 2027“ (turmstrasse.de), mit der auch die Stadtteilvertretung endet.
Zuerst hieß Moderatorin Esther Klobe-Weihmann alle Teilnehmenden herzlich willkommen und bedankte sich bei dem ganzen Organisationsteam, welches aus der Stadtteilkoordination, dem Moabiter Ratschlag e.V., Mach mit Moabit und den Quartiersmanagements Beusselstraße und Moabit Ost bestand und dem Zilleklub, der dem Stadtteilplenum die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Danach gab sie eine kurze Einführung zum Stadtteilplenum und stellte den heutigen Ablauf vor. Das Stadtteilplenum ist ein Beteiligungsformat, das aus einem offenen regelmäßigen Treffen zwischen Anwohner*innen und den Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung besteht und offen für alle Interessierten ist.
Um das diesmalige Thema der zukünftigen Gremienarbeit in Moabit näher zu behandeln, hat als erstes Jutta Schauer-Oldenburg vom Quartiersrat Beusselstraße einen Input zur aktuellen Gremienarbeit gegeben. Sie erläuterte, wie die Quartiersmanagements in Stadtteilen mit einem besonderen Entwicklungsbedarf entstanden sind und heute über das Programm „Sozialer Zusammenhalt“ finanziert werden. Dabei wurde auch der Quartiersrat entwickelt, der als Interessenvertretung der Bürger*innen im Kiez fungiert. Jutta Schauer-Oldenburg betonte besonders, wie viele Programme in Moabit dadurch schon beschlossen wurden: Neben der Langen Nacht der Bücher auch die Moabiter Bewegungslandschaft, der Ottospielplatz oder das Stadtschloss Moabit. Auch das Projekt „Kühle Ecken entdecken“ in Moabit wurde ins Leben gerufen und in Schulen zeitweise Unterrichtsfächer wie etwa das Fach Glück eingeführt. Es gibt den Bedarf an niedrigschwelligen Angeboten und auch mit dem Wegfall der Fördermittel müssen Orte bestehen bleiben, bei denen sich Menschen wohlfühlen. Sie nennt unter anderem das ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik) oder das Stadtschloss als Beispiele. Quartiersräte stellen die gelebte Demokratie im Kiez dar und sind besonders von Relevanz, um sich wehrhaft gegen rechte Bewegungen zu machen. Jutta Schauer-Oldenburg betonte außerdem, wie wichtig Einmischen ist und dass soziale Infrastrukturen erhalten bleiben müssen. Sie rief zur Mobilisierung und Beteiligung der Nachbarschaft auf, denn diese bleibt auch nach Ende der Quartiersmanagements erhalten.
Als Nächstes ergriff Bernd Sindermann als Quartiersratsprecher von Moabit Ost das Wort und ergänzte, dass der Quartiersrat durch die kommunale Mitbestimmung der Bürger*innen schöne Erfolge feiern konnte wie, zum Beispiel eine umgesetzte Moscheebesichtigung und Bildungsaktivitäten, wie ein kostenloses Nachhilfeangebot. Als Herausforderungen nennt er die Gentrifizierung im Quartier und dass die Kluft zwischen Bürger*innen und der Politik geschlossen werden müsse, denn die Einbeziehung der Meinungen der Nachbarschaft im Quartier sei von besonders hoher Relevanz.
Im Anschluss kam die Stadtteilvertretung Turmstraße, die das als demokratisch legitimiertes Gremium fungiert und die Interessen der Anwohner*innen vertritt, zu Wort. Als Betroffenenvertretung nach dem Baugesetzbuch muss die Stadtteilvertretung frühzeitig in Planungs- und Entwicklungsprozesse eingebunden werden, ähnlich wie ein Quartiersrat, um die Stimmung und Anliegen der Bürger*innen angemessen zu berücksichtigen, besonders vor dem Hintergrund, dass die Turmstraße ein Sanierungsgebiet war. Die Mitglieder wurden demokratisch gewählt und verfügen über festgelegte Mitwirkungsrechte. Aktuell wird daran gearbeitet, die Strukturen der Stadtteilvertretung über das Jahr 2026 hinaus zu verstetigen, um eine kontinuierliche Beteiligung und Mitsprache im Stadtteil zu sichern.
Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Facility Management Ephraim Gothe sprach als Nächstes und thematisierte insbesondere das Auslaufen der Städtebauförderkulissen und die Frage, wie die Entwicklung der Quartiere danach weitergeführt werden kann. Dabei steht vor allem die Sicherstellung des zivilgesellschaftlichen Engagements im Fokus, da mit dem Wegfall von gleich vier Förderkulissen wichtige Finanzierungs- und Unterstützungsstrukturen entfallen. Er wirft den Gedanken auf, dass damit auch die Aufmerksamkeit des Bezirksamts Mitte für die betroffenen Gebiete nachlassen könne. Um dem entgegenzuwirken, regt Herr Gothe ein regelmäßigen Austauschformat (3-bis 4-mal im Jahr) nach Vorbild des Bürgervereins Hansaviertel an und verweist zudem auf die Bedeutung einer stärkeren Präsenz bzw. Stimme in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte bzw. beim Ausschuss Soziale Stadt.
Danach hat das Team von „Mach mit Moabit“ des Moabiter Ratschlag e.V. gesprochen und eine umfangreiche Umfrage der Nachbarschaft vorgestellt. Das komplette Ergebnis wird auf der Website des Moabiter Ratschlag e.V. veröffentlicht. Insgesamt haben sie Gespräche mit 130 Menschen aus dem Kiez online oder in Person geführt, die bis zu 40 Minuten dauerten. Eine Frage nach den Interessen der Menschen, hat gezeigt, dass der Wunsch nach Community besonders groß ist. Möglichkeiten zum Austausch und gemeinsames Essen hilft dabei Gefühle von Einsamkeit zu bekämpfen. Ein weiteres Thema ist Verkehr, das die Menschen beschäftigt. Der Ausbau des ÖPNV und der Fahrradinfrastruktur ist dabei von besonderer Relevanz. Außerdem ist auch die Vermüllung im Kiez ein Thema, welches für Frustration bei den Kiezbewohner*innen sorgt. Eine weitere Frage dazu in welchen Bereichen sich die Menschen aus Moabit aktiv beteiligen, hat gezeigt, dass die Befragten ein bemerkenswert hohes Engagement aufweisen und in insgesamt 91 unterschiedlichen Bereichen aktiv sind. Nach der Vorstellung der Umfrageergebnisse wurde eine kleine Aktivierung aller Anwesenden des Stadtteilplenums angeleitet. Die Leute sollten sich zu verschiedenen Zitaten, die in der Umfrage gefallen sind, positionieren. Ein paar Schritte nach vorne bedeutet Zustimmung, Hinsetzen bedeutet Widerspruch und am Platz stehen bleiben Enthaltung. Es wurden Zitate zum Thema Schulen, Verkehrsberuhigung, Gemeinschaftsgefühl und günstige Mahlzeiten behandelt und intensiv diskutiert. Die Frage danach, welche Ressourcen benötigt werden, um selbst aktiv in einem Ehrenamt zu werden, führte zu einem besonders regen Austausch unterschiedlicher Meinungen.
In Hinblick auf die Veränderungen die das Jahr 2027 mit sich bringen wird, hat die Sozialraumorientierte Planungskoordination Petra Patz-Drüke zum Thema Stadtteilkoordination Stellung genommen. Sie betonte, dass die über Jahre aufgebauten Strukturen der Quartiersmanagements nicht wegfallen dürfen. Die Stadtteilkoordination kann zwar nicht mit den Quartiersmanagements verglichen werden, übernimmt jedoch eine wichtige Brückenfunktion zwischen Verwaltung und Nachbarschaft, indem sie als Netzwerker*innen den Informationsfluss sichert und bedarfsorientiert arbeitet. Als geplante Zukunftsaussicht wurde das Modell Stadtteilkoordination Plus genannt und vorgestellt, etwa am Beispiel vom ehemaligen Quartiersmanagement Ackerstraße, das sich bereits in der Verstetigung befindet. Ergänzend wurde darauf verwiesen, dass neben der Stadtteilkoordination Plus auch weitere Strukturen, wie die Bürgerbeteiligung und die Freiwilligenagentur Mitte bestehen. Auch wenn diese Angebote nicht mit den umfangreichen QM-Teams gleichzusetzen sind, wurde insgesamt betont, dass der Bezirk im Vergleich zu anderen Bezirken bereits über gut entwickelte und funktionierende Strukturen verfügt.
Abschließend haben ein Vertreter des Stadtteilforums in Tiergarten Süd und ein Vertreter vom Runden Tisch Sprengelkiez vorgestellt, wie die Arbeit nach Ende der zwei jeweiligen Quartiersmanagements weitergeführt wird: Im Stadtteilforum Tiergarten Süd treffen sich monatlich 20 Engagierte, die zu Themen wie Verkehr, Wohnen oder öffentliches Grün behandeln. Ohne die früheren QM-Strukturen erleben sie größere Herausforderungen bei der Durchsetzung von Anliegen, die sie bewältigen müssen. Im Sprengelkiez, der bereits 2016 verstetigt wurde, zeigt sich, dass durch Formate wie den Runden Tisch im Sprengelhaus, den „Kiezboten“ und durch Fördermöglichkeiten durch Vereine weiterhin erfolgreiche, auf nachbarschaftlichem Engagement basierende Arbeit möglich ist.
Insgesamt gab es an dem Abend viele verschiedene Perspektiven, durch die wir durch Esther Klobe-Weihmann moderiert wurden. Jetzt sind konkrete Beteiligungen von den Anwesenden gefragt, wie es in Moabit weitergehen wird!
Ein Zusatztermin für ein gesondertes Workshop-Angebot für Gremieninteressierte findet am 26. Mai um 18 Uhr im Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) in der Siemensstraße 27, 10551 Berlin, statt.
Bilder: QM Moabit-Ost