Das Stadtteilplenum

Das Stadtteilplenum ist ein offenes Plenum für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Engagierte in Moabit, das seit 2002 durch das Quartiersmanagement Beusselstraße (Moabit West) in Kooperation mit dem Moabiter Ratschlag e.V. organisiert wird. Seit 2021 sind auch das Quartiersmanagement Moabit Ost und die Stadtteilkoordination Moabit Ost im Planungsteam. Jedes Plenum setzt sich ein bestimmtes Thema als Schwerpunkt, zu dem  Expertinnen und Experten als Gäste eingeladen werden. Dies können Bezirksamtsmitarbeiterinnen, Vertreter aus der Politik oder anderer Institutionen sein. Sie diskutieren gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern oder stellen ihr eigenes Tun vor. Darüber hinaus tauscht sich die Anwohnerschaft über Aktuelles aus dem Kiez aus. 

Das Plenum tagt alle zwei bis drei Monate an einem Dienstagabend, z.B. im Stadtschloss Moabit, an anderen Orten in Moabit oder digital. 

Die Nachbarschaft ist herzlich eingeladen, am Stadtteilplenum teilzunehmen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig und der Eintritt ist kostenfrei. Wenn Sie eine Ankündigung für den Kiez haben oder Ihr Projekt öffentlich im Stadtteilplenum vorstellen wollen, können Sie uns gerne kontaktieren. 

„Wie wohnt Moabit?“ – Über das Stadtteilplenum im Februar 2026

„Wie wohnt Moabit?“ – Über das Stadtteilplenum im Februar 2026

„Wie wohnt Moabit?“ - Stadtteilplenum am 17. Februar 2026

Beim ersten Stadtteilplenum in Moabit im neuen Jahr, das am 17. Februar 2026 in der Reformationskirche (Refo) stattfand, drehte sich alles um das zentrale Thema Wohnen. Zahlreiche Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen im Stadtteil auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die vielfältigen Herausforderungen rund um das Wohnen in Moabit. Gleichzeitig wurden persönliche Erfahrungen geteilt und wichtige Anlaufstellen vorgestellt, die Bewohnerinnen und Bewohner bei Fragen, Problemen oder Unterstützungsbedarf im Bereich Wohnen zur Seite stehen. Das Plenum bot somit nicht nur Raum für Information, sondern auch für Vernetzung und Austausch. 

Moderatorin Esther Klobe-Weihmann eröffnete den Abend und begrüßte zum Auftakt die Gäste und bedankte sich bei den Veranstaltenden den Organisatorinnen und Organisatoren. Sie gab einen kurzen Überblick über die Tagesordnung und die Themen, die in diesem Stadtteilplenum behandelt werden sollten. Im ersten Block des Abends ging es um die aktuelle Situation zum Thema Wohnen in Moabit. Schnell wurde in der Diskussion deutlich, dass sich die Wohnsituation in Moabit widersprüchlich entwickelt: Trotz einzelner Fortschritte erleben Bewohner*innen trotzdem weiterhin Rückschritte - aus dem Publikum brachte es jemand treffend auf den Punkt: „Zurück geht’s“.

Anschließend führte Peter Kapsch (STK Moabit-Ost) in die aktuelle Lage ein.

Peter Kapsch
Moderatorin Esther Klobe-Weihmann

Besonderes Interesse weckte die Vorstellung der Karte „Wem gehört Moabit“, die mehr Transparenz über Eigentumsverhältnisse im Stadtteil schaffen soll.

Susanne Torka vom B-Laden, Mitglied des Betroffenenrats, stellte die Karte „Wem gehört Moabit?“ vor. Sie erklärte, dass dort Eigentümerstrukturen gesammelt werden und die Informationen an das Bezirksamt weitergegeben werden können, ohne dass sie automatisch verarbeitet werden. Dabei wurde auf die Bedeutung von Milieuschutzgebieten hingewiesen, die als „Soziale Erhaltungsgebiete“ bekannt sind. Weitere Informationen dazu finden sich auf der Webseite des Bezirksamts (Milieuschutzgebiete Berlin Mitte).

Ergänzend berichteten die Aktiven von Kiezgesprächen und Kiezspaziergängen, mit denen sie gezielt Anregungen und Wünsche aus der Nachbarschaft aufgreifen. Wer sich tiefergehend informieren möchte, findet außerdem ein ausführliches Heft, das online als PDF zur Verfügung steht.

Rainer Balcerowiak von der Berliner Mietergemeinschaft e. V. ergänzte, dass berlinweit Maßnahmen gegen möblierte Vermietung begonnen wurden, der Bezirk Mitte hier jedoch noch hinterherhinkt. Er appellierte, die Mietpreisbremse konsequent anzuwenden und wies auf die politischen und praktischen Hürden hin, die viele Mieter*innen derzeit erleben. Problematisch sei insbesondere, dass Meldungen an die Bauaufsicht bei Überbelegung häufig nicht zur Anwendung des Bauaufsichtsrechts führen, weil sonst Wohnungsverlust drohe. Kritisch diskutiert wurde auch die Situation in den Sickingen Apartments: Dort werden überwiegend nur Einzelzimmer vergeben, WGs oder Paare haben kaum Chancen – „alles Geldmacherei“, kommentierte Balcerowiak.

Thema waren auch die Milieuschutzgebiete in Moabit, konkret Waldstraße, Thomasiusstraße und Birkenstraße. Bewohner*innen dieser Gebiete wurden ermutigt zu prüfen, ob alle Bauarbeiten rechtmäßig durchgeführt werden. Rainer Balcerowiak wies darauf hin, dass man den Milieuschutz nicht überschätzen sollte, er aber dennoch Modernisierungen deutlich erschwert. Weitere Informationen dazu finden sich auf der Webseite des Bezirksamts.

Rainer Balcerowiak – Susanne Torka – Christiane Keppler

Der anwesende Abgeordnete Taylan Kurt berichtete über aktuelle Regelungen zum Wohnen auf Zeit: Befristet möblierte Wohnungen sind in Milieuschutzgebieten künftig untersagt, ein Informationsflyer ist in Arbeit. Er betonte, dass es sich lohnt, hartnäckig zu bleiben und das Bauamt bei Problemen „zu nerven“, um Lösungen zu erreichen.

Im weiteren Verlauf des Abends kamen Fragen und Sorgen aus dem Publikum zur Sprache. Diskutiert wurden insbesondere AirBnB-Wohnungen, Zweckentfremdung von Wohnraum und die unzureichende Durchsetzung von Bauaufsichtsmaßnahmen bei Überbelegung. Dabei wurde deutlich, dass viele Familien unter prekären Wohnverhältnissen leiden und dass informelle Praktiken von Vermietern, bürokratische Hürden und die Angst vor Kündigungen die Situation verschärfen.


Beratungsstellen und Initiativen

Berliner Mietergemeinschaft e. V. – Rainer Balcerowiak

Rainer Balcerowiak – Berliner Mietergemeinschaft e. V.

Rainer Balcerowiak, selbst in Moabit geboren, stellte die Berliner Mietergemeinschaft e. V. vor. Der Verein berät rund 30.000 Mitglieder und arbeitet auf drei Säulen: Beratung, Öffentlichkeitsarbeit (u. a. Mieterecho) und Mietpolitik. Politische Leitlinien sind Wohnen als soziale Daseinsvorsorge und als Grundrecht. Balcerowiak erläuterte, dass die Mietergemeinschaft auf Vorbilder wie das „Wiener Modell“ schaut und aktiv Hausversammlungen begleitet. Sie unterstützt Mieter*innen in allen Fragen rund ums Wohnen, bietet Rechtsschutz für Mitglieder und setzt sich politisch für starke Mieterrechte sowie bezahlbaren Wohnraum ein. Besonders aktiv ist die Mietergemeinschaft in Moabit: Hausversammlungen werden regelmäßig begleitet, und der Verein zählt hier mehrere hundert Mitglieder. Wichtig zu wissen: Um im Rechtsstreit anwaltliche Unterstützung zu erhalten, muss man aktives Mitglied sein. Abschließend wies Herr Balcerowiak auf die bevorstehende Konferenz am 25. April hin, bei der aktuelle Fragen der Wohnungs- und Stadtentwicklung in Berlin, die Perspektiven der Mietenbewegung vor der Abgeordnetenhauswahl 2026 sowie Strategien der Mieter*innen-Organisierung im Mittelpunkt stehen.

Kampagne Deutsche Wohnen & Co. enteignen

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Nico – Deutsche Wohnen & Co. enteignen

Nico vom Kiezteam Moabit stellte die Kampagne „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ vor, die seit 2018 besteht, 2021 einen erfolgreichen Volksentscheid erreichte und aktuell an einem Gesetzesvolksentscheid arbeitet. Ziel des geplanten Vergesellschaftungsgesetzes ist die Überführung von 200.000 bis 220.000 Wohnungen in Gemeineigentum, während die betroffenen Konzerne lediglich rund 3.000 Wohnungen behalten dürfen, die dauerhaft bezahlbar bleiben sollen.

Mietpreisprüfstelle/Mieterberatung Prenzlauer Berg

Tamara Brehm – Mieterberatung Prenzlauer Berg

Frau Brehm gab einen Einblick in die Arbeit der Mietpreisprüfstelle/Mieterberatung Prenzlauer Berg, die vor allem Erstberatungen anbietet und deren Schwerpunkt die Mietpreisbremse ist. Auf die Frage aus dem Publikum, ab wann von Mietwucher gesprochen wird, erklärte sie, dass dies der Fall ist, wenn die Miete die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 50 % übersteigt und eine Zwangslage ausgenutzt wird. Die Beratung umfasst Erstgespräche, die Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete und die Weitervermittlung an Bezirksmietberatungen. Sie empfiehlt zudem den Eintritt in eine Mieterschutzvereinigung. Herausforderungen sind die Angst vor Eigenbedarfskündigungen und die Trennung von Kaltmiete und Modernisierungszuschlägen zur Umgehung der Mietpreisbremse.

Fachstelle „Fair mieten – Fair wohnen” – Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

Die Fachstelle „Fair mieten - Fair wohnen“ stellte sich in Person von Lisa Selmer vor. Sie arbeiten in zwei Bereichen: Beratung und Begleitung von Betroffenen sowie Strategie- und Vernetzungsarbeit. Die Angebote sind mehrsprachig, und Dolmetscherinnen werden bereitgestellt, um möglichst vielen Menschen Zugang zu ermöglichen.

Lisa Selmer – Fair mieten – Fair wohnen

Träger der Fachstelle sind die asum GmbH und der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg; gefördert wird sie durch die Senatsverwaltung LADS. Ziel ist die Förderung einer Kultur diskriminierungsarmer Wohnraumvergabe. Studien und Anleitungen zur Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt sind online verfügbar (Studie: Zwischen Zugang und Ausbeutung). Typische Fälle von Diskriminierung betreffen unter anderem die zugeschriebene Herkunft z.B. über den Namen von Bewerber*innen. Selmer wies darauf hin, dass die Fachstelle keine strukturellen Probleme lösen kann, sondern individuell unterstützt. Aus dem Publikum wird ergänzt, dass viele Menschen Angst vor offiziellen Schreiben haben und die Sprache oft zu bürokratisch und dadurch schwer verständlich sei. 


Ein Blick in die Zukunft

Selbstverwaltete Mietergenossenschaft MUT e. G.

Christiane Keppler – Selbstverwaltete Mietergenossenschaft MUT e. G.

Christiane Keppler stellte die selbstverwaltete Mietergenossenschaft MUT e. G. in der Birkenstraße vor, in der sie seit 15 Jahren aktiv ist. Die 1989 gegründete Genossenschaft umfasst 218 Wohnungen, darunter 38 Eigentumswohnungen, und verwaltet diese eigenständig. Alle Wohnungen sind aktuell belegt, neue Mitglieder können derzeit nicht aufgenommen werden. Ziel der Genossenschaft ist es, Wohnen ohne Gewinnabschöpfung zu ermöglichen sowie Mitbestimmung, generationsübergreifende, ökologische und solidarische Gemeinschaft zu fördern.

Sonay – Mehrgenerationenwohnen

Katrin Kalinkus (2. von rechts) – Sonay | Mehrgenerationenwohnen

Katrin Kalinkus stellte das Projekt Sonay Mehrgenerationenwohnen vor, das Wohnpartnerschaften zwischen Menschen ab 60 und jüngeren Mitbewohner*innen vermittelt. Bisher wurden 25 Wohngemeinschaften von Kreuzberg bis Kladow gegründet. Das Konzept ermöglicht gegenseitige Unterstützung im Alltag, fördert ein solidarisches Miteinander und den Austausch zwischen den Generationen. Das Projekt wird aktuell von Kalinkus selbst und einer Praktikantin betreut. Die Mieten orientieren sich an Nebenkosten plus Mietspiegel, alle Wohnmodelle müssen genehmigt werden, und Interessent*innen füllen einen Fragebogen aus, der für die Vermittlung erforderlich ist. 


Zum Ausklang des Abends tauschten sich die Anwesenden untereinander aus und nutzten die Gelegenheit, sich am Infotisch über weitere Angebote, Beratungen und Projekte im Stadtteil zu informieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Fazit des Abends

Das Stadtteilplenum „Wie wohnt Moabit?“ machte deutlich, dass Wohnen in Moabit nicht nur eine Frage der Kosten ist, sondern auch von sozialer Gerechtigkeit, Beteiligung und Nachbarschaftskultur geprägt wird. Zahlreiche Initiativen und Projekte – von der Berliner Mietergemeinschaft bis zu selbstverwalteten Genossenschaften und Mehrgenerationenwohnen – zeigten, wie Engagement im Kiez konkret wirken kann. 

Das nächste Stadtteilplenum findet am 21.04.26 im Zilleclub statt und wird sich dem Thema “Gremien” widmen.

 

 

Fotos: S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH

Text: Dayan Jaster

Text & Fotos ©️ QM Beusselstraße 2026

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