Das Stadtteilplenum

Das Stadtteilplenum ist ein offenes Plenum für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Engagierte in Moabit, das seit 2002 durch das Quartiersmanagement Beusselstraße (Moabit West) in Kooperation mit dem Moabiter Ratschlag e.V. organisiert wird. Seit 2021 sind auch das Quartiersmanagement Moabit Ost und die Stadtteilkoordination Moabit Ost im Planungsteam. Jedes Plenum setzt sich ein bestimmtes Thema als Schwerpunkt, zu dem  Expertinnen und Experten als Gäste eingeladen werden. Dies können Bezirksamtsmitarbeiterinnen, Vertreter aus der Politik oder anderer Institutionen sein. Sie diskutieren gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern oder stellen ihr eigenes Tun vor. Darüber hinaus tauscht sich die Anwohnerschaft über Aktuelles aus dem Kiez aus. 

Das Plenum tagt alle zwei bis drei Monate an einem Dienstagabend, z.B. im Stadtschloss Moabit, an anderen Orten in Moabit oder digital. 

Die Nachbarschaft ist herzlich eingeladen, am Stadtteilplenum teilzunehmen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig und der Eintritt ist kostenfrei. Wenn Sie eine Ankündigung für den Kiez haben oder Ihr Projekt öffentlich im Stadtteilplenum vorstellen wollen, können Sie uns gerne kontaktieren. 

„We are family?“ - Über das Stadtteilplenum im November 2025

„We are family?“ - Über das Stadtteilplenum im November 2025
„We are family?“ (Wir sind eine Familie?) 
 
Das Stadtteilplenum im November 2025 über die Situation von Kindern und Jugendlichen in Moabit
 
Vor allem um Kinder, Jugendliche und Familien sollte es am 25. November 2025 beim Stadtteilplenum im großen Saal des Moabiter Kinderhofes gehen. Dazu war der Ort mit dieser für den Osten Moabits sehr wichtigen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung in der Seydlitzstraße am Rande des Fritz-Schloß-Parks sehr gut gewählt. Dem Plenum voraus ging eine Führung mit Max Venzlaff durch diesen Ersatzneubau, der Mitte Oktober 2025 nach längerer Bauzeit im Rahmen eines Eröffnungsfestes feierlich eingeweiht worden war. Der Sozialpädagoge ist seit 2023 der Einrichtungsleiter des Moabiter Kinder-Hofes. Er zeigte den Plenumsgästen neben der offenen Küche, in der fast täglich zusammen mit Kindern gekocht wird, die verschiedenen Räume, in denen musiziert, gewerkelt und getöpfert werden kann. Ein besonderer Raum befindet sich im Obergeschoss. Dort lässt es sich auf dem Fußboden gemütlich machen und dabei durch ein riesiges Fenster in den Park schauen. Irene Stephani als Mitbegründerin der Einrichtung und Leiterin des Trägers ergänzte die Erläuterungen ihres Kollegen Max mit Details zur Geschichte der Einrichtung, die seit 1997 besteht. Zum 25. Geburtstag im Jahr 2022 erfolgte der Abriss des alten Kinderhof-Gebäudes. Es folgten drei Jahre Provisorium in Containern, weil sich die Bauphase hinzog. Im Vorfeld des Neubaus hatte es viel Kinderbeteiligung bei der Gestaltung gegeben, was sich besonders deutlich am Außengelände mit Abenteuerspielplatz betrachten ließ. Nur die Kaninchen, die von den Kindern zwei Mal am Tag gestreichelt werden dürfen, waren schon schlafen gegangen, als die Führung mit Max stattfand. Mehr zum Moabiter Kinderhof und den Bauarbeiten hier
 
Wie erleben junge Menschen den Bezirk Mitte – und was brauchen sie, um gut hier aufwachsen zu können?
 
Moderatorin Esther Klobe-Weihmann zeigte den Plenumsgästen eine kürzlich erschienene Broschüre mit dem Bericht „Sichtweise junger Menschen im Bezirk Mitte“. Dieser Bericht liefert auf diese Fragen umfassende Antworten. Grundlage sind die Aussagen und Perspektiven von fast 2000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in den Jahren 2023 und 2024 in Schulen, Freizeit­einrichtungen und im öffentlichen Raum befragt wurden. Herausgeber ist das Kinder- und Jugendbüro Mitte (KJB Mitte), dessen Vertreterin krankheitsbedingt leider nicht beim Plenum erscheinen konnte. Die Kinder- und Jugendbüros Mitte (KJBM) sind zentrale Anlauf-, Informations- und Vernetzungsstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung und Kinder- und Jugendpolitik in Mitte. Ihr Ziel ist, die gesetzlich festgeschriebenen Mitwirkungsrechte junger Menschen bis 27 Jahre in kommunalpolitischen Handlungsfeldern zu verwirklichen. Für die Broschüre befragt wurden 8- bis 20-Jährige, darunter vor allem Kinder im Alter von 10 bis 13. 
Hier ist die Broschüre als PDF zu finden.
 
„Wir brauchen unseren Platz und unseren Freiraum“
 
„Das Thema Orte beschäftigt uns alle“, sagte Christoph Keller, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit (Die LINKE), der zusammen mit Kiezsportlotsin Susanne Bürger als Gast des Plenums erschienen war. Stadtrat Keller berichtete davon, dass er sich aktuell besonders mit den leider wenig vorhandenen Orten für Jugendliche beschäftigt, so wie mit dem Stephanplatz, der demnächst eröffnet wird. Der erste Jugendort im Bezirk Mitte war der Platz in der Scheringstraße im Wedding. 
Gefragt wurde nach dem Unionplatz in Moabit, der von Jugendlichen gekapert wurde und auf dem ein „Unionturm“ gebaut wurde. - Stadtrat Keller dazu: das Bezirksamt hat das unterstützt. Aktuell existiert dort eine geduldete provisorische Lösung und mehrere Generationen teilen sich den Platz. Susanne Bürger ergänzte, dass an diesen „Jugendorten“ laufend Aushandlungsprozesse darüber stattfinden, welche Personengruppe dort faktisch das Sagen hat und wer untergebuttert wird. Das betrifft oftmals leider Mädchen und junge Frauen, die verdrängt werden. „Wer ist dort der Kümmerer? - Keiner!“ Das sieht die Kiezsportlotsin als Problem. Neben der Vermüllung im Wohnumfeld wurden von den Kindern und Jugendlichen in der Studie Angsträume als Problem genannt.
 
Thematisiert wurde auch die Tatsache, dass sich Jugendliche gern auf Kinderspielplätzen aufhalten, so wie z.B. in der überdachten Hütte am Klara-Franke-Platz. „Und dann findet man danach die Glasscherben von Flaschen im Sand“, so eine Anwohnerin. Eine andere Teilnehmerin lobte die vielen Grünflächen in Moabit und beschrieb den Stadtteil als „ein Paradies“. Sie regte an, dass bei Neu- und Umgestaltungen von Aufenthaltsorten für die Jugend zunächst nach den Trampelpfaden geschaut wird, um zu sehen, wo sich die jungen Leute wirklich bewegen und was sie konkret brauchen. Sozialpädagoge Max Venzlaff berichtete über die nahe gelegenen Zillesiedlung und regte an, dabei den oftmals sehr begrenzten Raum in den Wohnungen mitzubedenken. Viele große Familien leben in der Zillesiedlung auf sehr engem Raum zusammen. Es gebe z.B. Familien mit 10 Kindern in einer Zweiraumwohnung. Diese Kinder würden der angespannten häuslichen Situation entfliehen und hätten das Problem, wo sie ihre Hausaufgaben machen können, ohne dabei von den kleineren Geschwistern gestört zu werden. Schwierig sei, wie generell mit der Beteiligungsidee umgegangen wird, kritisierte Aninka Ebert, Leiterin des Moabiter Ratschlag e.V.: Stadtmöbel werden oftmals bewusst so konstruiert, dass sich dort niemand “zu lange“ aufhält, z.B. werden bei neuen Parkbänken die Lehnen weggelassen, oder eine überdachte Hütte wird extra mit Lücken im Dach so gebaut, damit es hineinregnet und dort niemand länger bleiben kann.
 
Im Bericht „Sichtweise junger Menschen im Bezirk Mitte“ äußerten viele Kinder ihr Bedürfnis nach kostenfreien warmen Mahlzeiten. Im Moabiter Kinderhof wird darauf eingegangen und fast jeden Tag frisch gekocht, so Irene Stephani. Verwendet werden dazu vor allem Lebensmittel von der Berliner Tafel, aber auch Kartoffeln aus dem eigenen Kinderhof-Garten. „Und die Kinder stellen den Essensplan auf!“ 
 
Ein Gast fragte nach den Mahlzeiten in der Schule, die es doch eigentlich überall kostenfrei gibt, oder? Ja, ergänzte ein junger Mann, aber dazu müsse man bis mittags in der Schule bleiben. Manche Kinder nehmen das Angebot zudem nicht wahr, z.B. weil sie im Speisesaal schikaniert werden. Außerdem sei das Schulessen von der Qualität her nicht überall zufriedenstellend. Und für viele Kinder und Jugendlichen reiche das verfügbare Essen schlicht nicht aus, weil sie schon hungrig ohne Frühstück morgens in die Schule kommen. In der Carl-Bolle-Grundschule wird deshalb Frühstück von „brotZeit“, der Stiftung, die von Schauspielerin Uschi Glas gegründet wurde, angeboten. „brotZeit“ versorgt in Grund- und Förderschulen mit erhöhtem Förderbedarf Kinder mit einem stärkenden Schulfrühstück, denn nur so können sie mit Energie in den Schultag starten.
 
Auch im Bezirk Mitte gibt es Kindergärten, die von Schließungen bedroht sind, weil die Kinderzahl immer weiter abnimmt. Nachdem Plätze in Kitas lange Zeit knapp waren, hat sich das Problem der überfüllten Kindereinrichtungen über die Jahre damit umgekehrt, weil einige neue Kindergärten gebaut wurden. Das Gute daran: der Betreuungsschlüssel hat sich dadurch verbessert. Doch nun sind Kindergärten teilweise in der Situation, dass sie mit ihren pädagogischen Konzepten um Kinder bzw. um deren Eltern werben müssen. Vielleicht sind Mehrfachnutzungen dieser Räumlichkeiten eine Lösung, sagte Stadtrat Christoph Keller. Doch oftmals seien dem Bezirksamt die Hände gebunden. Freie Träger müssen den Behörden gar nicht mitteilen, ob sie Kindergärten schließen. Was nach wie vor generell fehlt, sind inklusive Plätze für Kinder mit Beeinträchtigungen sowie die notwendigen Fachkräfte dafür. 
 
Gefragt wurde, ob es eine Gesamtstrategie seitens des Bezirkes gibt, denn in 5 oder 10 Jahren kann sich die Situation mit den Kinderzahlen ja wieder ändern. - Stadtrat Keller: Durch die hohen Gewerbemieten müssen bei fehlenden Kindern sicher vor allem die kleineren Einrichtungen Federn lassen, während größere Träger das abpuffern können. In der abteilungsübergreifend arbeitenden AG Sozialraumorientierung wird darüber nachgedacht, auf bezirkseigenen Flächen Kombinationen von Kindergärten mit Mutter-Kind-Wohnen und anderen Nutzungen einzurichten. 
 
Können auch Gebäude an freie Träger mit anderen Herangehensweisen abgeben werden? - Stadtrat Keller: Das ist kompliziert. Der Kita-Eigenbetrieb nutzt Schulräume und umgekehrt, da funktioniert sowas. Doch alle kommunalen Einrichtungen sind schon stark belegt mit vielen Angeboten von freien Trägern. 
 
Bezirksstadtrat Christoph Keller bietet eine Telefonsprechstunde an und kommt auch gern vorbei - Kontakt: Tel.: (030) 9018 23700  und E-Mail: familienstadtrat@ba-mitte.berlin.de
 
Bewegung und Sport für Kinder und Jugendliche
 
Kiezsportlotsin Susanne Bürger gab im Plenum Einblick in ihren Arbeitsbereich. Sie kennt sich seit mittlerweile 12 Jahren (2013) darin aus, welche Sportarten besonders gefragt sind, und berät dazu, wo gibt es niedrigschwellige Angebote gibt und teilt ihre Erfahrungen mit verschiedenen Sportvereinen. Die Sportart Schwimmen sei seit langem das Thema Nummer 1. Zahlreiche Eltern fragen nach Seepferdchenkursen. Eine Teilnehmerin ergänzte, dass sie erst nach unglaublichen 6 Jahren einen Platz zum Schwimmen für ihr Kind ergattert hat. Es bestehe eine enorme Drucksituation und ein Ausweichen sei für viele Menschen schier unmöglich, weil kommerzielle Schwimmkurse teuer sind. 
 
Die Mitarbeiterin eines Kindergarten ergänzte, dass ihre Einrichtung Schwimmkurse anbieten möchte und dafür Kooperationspartner sucht. - Kiezsportlotsin Bürger: ein privates Schwimmbecken existiert in der Waldstraße, Kosten unbekannt. Leider wiegeln die Berliner Bäderbetriebe so etwas meistens ab. 
 
Nach Schwimmen komme als zweiter Favorit Fußball mit ebenfalls langen Wartelisten. Viele Kinder wollen einfach nur Fußball oder Basketball spielen. Doch seien die meisten Sportvereine dafür zu wettkampforientiert. Lediglich der BC Lions Moabit 21 e.V. kooperiert mit dem QM und dem Zillehaus und legte 2023 Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche auf. 
 
Susanne Bürger berichtete von den 10 vom Bezirk geförderten Winterspielplätze in Mitte. In Moabit sind diese im Stadtschloss Moabit in der Rostocker Straße 32b, im Familienzentrum Moabit-Ost in der Rathenower Straße 17 (Zillehaus) und im Familienaktiv-Zentrum (FaZ) in der Agricolastraße 28 zu finden. Und das Olof-Palme-Haus in Gesundbrunnen bietet einen „Familiensonntag“ an, da ist das Haus immer voll, berichtete Lotsin Bürger. Stadtrat Keller ergänzte, dass es zum Thema Bewegung einen Gesundheitsbeirat im Bezirksamt Mitte sowie ein am 11.11.25 neu gegründetes Netzwerk für Bewegungsförderung gibt, das aus Kinder- und Jugendeinrichtungen, dem Bezirkssportbund, der Kiezsportlotsin u.a. besteht. 
In ihrem Rundbrief, zu dem man sich anmelden kann, weist Susanne Bürger mehrmals im Jahr auf neue Bewegungsangebote im Bezirk Mitte hin.
 
Kontakt zur Kiezsportlotsin: 
 
Terminhinweis auf das Kiezgespräch in Moabit
Am 4. Dezember 2025 sind die Bezirksstadträte Ephraim Gothe und Benjamin Fritz im Stadtschloss Moabit zu Gast. Themen sind vor allem Bauvorhaben und Möglichkeiten der Mitgestaltung im Huttenkiez/Neues Ufer, Schulumweltzentren, Jugendverkehrsschule und Wolfgang-Scheunemann-Haus. Mehr dazu auf https://moabiter-ratschlag.de/stk/ Dazu ergänzte Stadtrat Keller, dass die Jugendfreizeiteinrichtung im Wolfgang-Scheunemann-Haus in der Größenordnung von rund 70 Millionen Euro baulich erweitert werden soll. Dazu laufe gerade die Planungsphase. 
 
Zum Abschluss des Plenums gab es bei Getränken und kleinen Knabbereien noch Eins-zu-eins-Gespräche. 
 
Das nächste Stadtteilplenum findet im Frühjahr 2026 statt. Termin und Thema werden noch ergänzt.

 

Text & Fotos ©️ Gerald Backhaus 2025

kommende Termine

Datum: 29.04.2025 19:00 - 21:00 Termin exportieren

Das nächste Stadtteilplenum ist am 29. April 2025 auf dem Otto-Spielplatz und befasst sich mit dem Thema „Umwelt“. 

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